Wie man den Tag mit Bussen verbringt

21.12.2012

Unser Plan B bestand darin, nicht mit einem Bus über die Grenze zum Ziel zu fahren, sondern diesen Prozess auf drei voneinander unabhängige Busse zu verteilen…

Unser Nachtbus fuhr uns von Montevideo nach Salto in die Nähe der Grenze zu Argentinien. Leider kann man nachts die vorbeiziehende Landschaft nicht bewundern und 7 Uhr morgens ist auch nicht viel los am Terminal – perfekte Gelegenheit, den Blog aufzufrischen.

Zwei Artikel später brachte uns der lokale Bus in das Städtchen hinein, da wir mehr von dem Land sehen wollten. Wie süß! Ein kleiner Park ziert das Zentrum, saubere Straßen werden von hübschen Häusern gesäumt und die Sonne schien. Selbst die sich verweigernden Geldautomaten trübten unsere Laune nicht (hier kennt man vielleicht keine Touristen und benötigt demnach keine Automaten für ausländische EC-Karten?). Unsere Herausforderung an diesem Vormittag bestand nun darin, sich von dem bisschen uruguayischen Restpesos Frühstück, Wasser, Bustickets und Postkarten zu beschaffen. Das Gute daran ist, dass man dafür weite Strecken auf sich nimmt und günstigeres einheimisches Essen verspeist.

Ein weiterer Bus nahm uns pünktlich 14 Uhr über die Grenze. Diese bildet der Rio Uruguay, nach welchem der Staat benannt wurde ((Republik Östlich des Uruguay). Wir fuhren über ein riesiges Wasserkraftwerk, welches von beiden Ländern genutzt wird (Martins Augen zeigten ihr Funkeln) und erledigten den Papierkram. Die Soldaten tippten und stempelten die Dokumente wie fleißige Sekretärinnen… für einen Kulturkreis geprägt von Machismus und argentinischem Stolz ziemlich witzig.

Wir wurden nach Concordia gebracht. Hier will man definitiv nicht lange bleiben, doch der einzige Bus der noch gerade so zwei Plätze frei hatte kostete das Doppelte. Die Alternative bedeutete ein mehrtägiges Warten auf die nächsten freien Busplätze nach Weihnachten. Wir bissen in den sauren Apfel. Schon hinter der Grenze zeigten sich die Unterschiede: die hübschen Häuser wurden zu Wellblechhütten, an den Straßen sammelte sich der Müll und Menschen gingen betteln. Unser Gefühl von Sicherheit verließ uns spätestens beim Anblick einer kleinen Gruppe etwa Achtjähriger aus offensichtlich schwierigen Verhältnissen. Sie turnten in kaputten Schuhen und mit verdreckten Sachen im Busterminal über Tisch und Bänke. Einer hielt ein gut gefülltes, neues Lederportemonnaie aus unbekannter Herkunft in der Hand und plünderte die Süßigkeitenautomaten. Wir waren heilfroh, als uns der Bus mit 1,5h Verspätung endlich von hier weg brachte und wir unserem eigentlichen Ziel entgegen fuhren.

Lebensmotto

zum Glück nicht unser Bus

Mahlzeit im Bus, besser als in vielen Fliegern

Wasserkraftwerk und Grenze

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